Von Wahrnehmung und Spieglung

Gestern hatte ich Besuch von "meinen Mädels". Liebe Freundinnen die einfach mal wieder den Weg zum Tier suchten- und natürlich auch zum Pferd.

 

Die Begegnung war ziemlich interessant zu beobachten.

 

Häufig liest man davon das Pferde das eigene Verhalten spiegeln, die Körperhaltung und Sprache. Ich selbst spreche immer wieder darauf an.

Natürlich ist das aber nicht einfach mit einer bloßen Technik mal eben schnell getan.

Es ist wichtig beim Umgang mit den Pferden und vor allem bei der Arbeit auf seine Signale und die Körpersprache zu achten- aber stimmt das Gefühl nicht oder ist es einfach nur ein Versuch von dem man selbst nicht überzeugt ist, nützt es selten auf Dauer.

Vor allem wenn man versucht jemand zu sein, der man nicht ist.

Denn ohne es bewusst wahrzunehmen, strahlst Du Unsicherheiten aus, wenn du verunsichert bist. 

Versteh mich nicht falsch !

Neue Wege zu beschreiten ist immer etwas unsicher. Aber es ist ein Unterschied ob Du Dir selbst den Wandel abkaufst oder einfach nur etwas oder jemanden imitierst, du aber weißt das du dafür vielleicht noch nicht bereit bist.

Es bringt also nichts, das Pferd von hinten aufzuzäumen.

 

 

Denn vor der Spiegelarbeit , kommt die Wahrnehmung !

Wir schlenderten also zu den Koppeln runter.

Ich freu mich ja immer wieder wenn zu den Pferden viele Fragen gestellt werden und man zusehen kann wie so kleine "Mädchenträume" aus der Kindheit wieder erwachen.

Die Mädels kramten früheres Pferdewissen hervor, der Wunsch zum Reiten tauchte wieder auf und als ich dann den Weg zur Koppel öffnete und zwischen den Pferden auf die drei wartete wurde es still.

Grinsend standen die Mädels vor dem Eingang- neugierig standen 4-5 Pferde auf der anderen Seite - ich dazwischen.

In verschiedenen Facetten wirklich interessant und eindrucksvoll.

 

Einerseits ist es für mich mal wieder eine Erinnerung  welch eine Herausforderung oder Hürde es für manche Menschen sein kann, einem sich frei bewegenden Pferd zu begegnen und zu nähern. Es macht schon einen Unterschied wenn sie brav angebunden am Putzplatz stehen oder sich in ihrer Herde frei bewegen.

Auf der anderen Seite war es einfach wirklich interessant wie beide "Gruppen" auf sicherem Abstand blieben, sich aber interessiert beobachtet haben.

Als eine Freundin sich entschloss doch mal auf die Koppel zu gehen blieb sie auf Abstand und hielt die Hand zu einem der Pferde.

Auch das Pferd blieb auf Abstand und streckte ihr die Nase entgegen.

Und auch die anderen Pferde blieben interessiert, jedoch auf Abstand zu ihr an meiner Seite stehen.

 

Während sie bei mir also vertraut standen, ihren Kopf an mich lehnten und mich untersuchten (könnt ja doch ein Möhrchen irgendwo in der Jacke sein)

näherten sie sich meinem Besuch eher vorsichtig, konzentriert und "geduldiger".

 

Hier konnte man die "Spiegelarbeit" sozusagen in der Grundform erleben.

Die Mädels hatten kein festes Ziel, sie bekamen keine Aufgabe die sie evtl. überfordert hätte, es gab keinerlei Druck oder Erwartungshaltung.

Somit gab es auch keinen Stress oder anderweitige negative Faktoren.

 

Beide "Gruppen" konnten frei entscheiden sich zu nähern oder zu gehen.

Und doch reagierten die Pferde auf die Neugierde meiner Besucher.

Sie blieben stehen während die Mädels am Zaun standen und überlegten, sie näherten sich vorsichtig als eine die Hand ausstreckte.

Bewegte der Mensch sich etwas weiter vor, gingen sie darauf ein, entfernte er sich, gingen die Pferde ebenfalls einen Schritt zurück.

 

Die eigenen Möglichkeiten, im eigenem Tempo

Wenn Du mit Deinem Pferd gemeinsam arbeitest ist es wichtig, das kein negativer Druck entsteht. Kein Vergleichsdruck zu anderen, kein Zeitdruck weil Du noch schnell wo hin musst, kein Stress weil Du die Lektion  jetzt sofort lernen musst.

 

Nimm Dir Zeit !

 

Schenk Deinem Pferd die Aufmerksamkeit, die es dir schenkt.

Lerne es zu lesen, so wie es lernt dich zu lesen.

Schritt für Schritt.

Mach nur das was Du Dir wirklich zutraust- Deine Grenzen werden sich mit der Zeit erweitern.

 

Bevor Du also drauf los arbeiten willst, erschaffe Dir einen Leitfaden.

Was willst Du erreichen, was ist die Motivation dahinter, wie kannst Du es umsetzen, wo fängst Du an. Überfordere Dich nicht. Verlange Dir selbst nicht zu viel in zu kurzer Zeit ab- denn das überträgst du sonst auch auf dein Pferd.

Informiere dich, stelle Fragen- und lass dir Zeit !

Beobachte deinen geliebten Vierbeine- er wird dir zeigen wo ihr stet.

 

Liebe Grüße, eure Jenny

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