"Mysterium ": Frauen und Pferde

In regelmäßigen Abständen lese ich hier und da immer wieder mal Artikel über „das Mysterium Frauen und Pferde“.

Oft sind sie voll von wilden Spekulationen, aber auch geschrieben von Therapeuten und Universitäten.

Vor einem Monat ungefähr entdeckte ich wieder ein Artikel und ich fragte mich, was die typische Reiterin dazu wohl für Gedanken hat.


Somit heute mal ein Artikel von Frau, für Frau- mit Hilfe einiger Pferdefrauen, die so lieb waren und mir ein paar Ihrer Gedanken zum Thema schickten.


Ich habe mich bewusst eher an die Privatleute und Freizeitreiter gewandt und mich aktuell nicht weiter mit der sportlichen Welt befasst und somit dort auch (noch) keine Informationen eingeholt.


Schon adelige Frauen saßen damals auf dem Rücken der Pferde und galten als hervorragende Reiterinnen (trotz der Damensättel die etwas einschränkend sein konnten und den Röcken) wie z.B Kaiserin Elisabeth von Österreich ( besser bekannt als Sissi ).

Über die Verbindung zwischen Reiterin und Pferd konnte ich vorerst noch nicht all zu viel herausfinden.

Aber es zeigt - auch in der Vergangenheit gab es schon eine Verbindung zwischen Frauen und Pferden.

Es war nicht nur eine Männerdomäne!

Doch was hat es auf sich, mit dem Thema Frau und Pferd = Mysterium ?

Warum wird bei Frauen eher nachgehakt als bei Männern-die ja nun im Sportbereich , zahlreich vertreten sind.


Liegt es daran das wir als kleine Mädchen alles über Ponys sammeln und lieber Pferdezeitschriften lesen als Starmagazine?

Oder weil in so vielen Freizeitställen eher die Frauen anzutreffen sind ?


Es wird spekuliert :


  • Es sei für Mädchen eine Vorbereitung für die Mutterrolle
  • Pferde sind für Frauen eine Art Ersatzkind
  • bis hin zu schon böseren Sätzen wie – „kriegen keinen Mann ab“ oder „ist für Frauen leichter sich beim Pferd durchzusetzen als bei ihrem Mann“

Jaja.....meiner Meinung nach ist das meiste völlig unbegründet und wirklich reine Spekulation.


Aus meiner Welt :


Ich als Frau und Freizeitreiterin kann über die genannten Sätze mittlerweile nur lächelnd den Kopf schütteln- es ist doch schon irgendwo amüsant oder ?

Ich persönlich war auch schon als junges Mädchen (wie es bei vielen der Fall ist) völlig vernarrt in Pferde.

Damals konnte ich natürlich schwer begründen warum das so war. Auch heute kann ich es nicht komplett in Worte fassen-aber ich weiß wie gut ich mich mit Pferden fühle und allein das ist wichtig!

Ich versuche es dennoch in Worte zu kleiden.

Pferde sind einfach wunderschöne Tiere, wie sie einen anblicken, sich bewegen und dem Menschen ihre Aufmerksamkeit schenken. Sie sind ECHT- in allen Facetten.

Interessiert, unvoreingenommen, aufgeschlossen und freundlich- sie gehen völlig offen mit ihrem Wesen um. Ich denke das diese Offenheit schon einen sehr großen Teil dieser Magie ausmacht und das der Mensch, ohne es genau definieren zu können ,spürt.

Für Kinder ist es auch ein Weg voller wertvoller Erfahrungen.

Dies konnte ich bei den jungen Reitschülern, meinen Ponykindern und auch bei mir natürlich, stets beobachten.

Dieses Zusammenspiel aus Verantwortung dem Pferd gegenüber, dem gegenseitigen Respekt und das Vertrauen das daraus entsteht, ist für die Festigung der eigenen Werte einfach unbezahlbar.

Egal ob Kind oder Erwachsener- der Mensch wächst beim Umgang mit Pferden über sich hinaus.

Wie therapeutisches Reiten, Coaching mit Pferden und auch das Managertraining mit Pferden zeigt.

Das Selbstvertrauen wächst, so wie die Beobachtungsgabe, Geduld und Sensibilität.


Für mich sind Pferde ein fester Bestandteil meines Lebens.

Sie sind für mich enge Freunde, Vertraute, Verbündete und Lehrer bzw. Mentoren und manchmal auch Schützlinge, wenn sie in Ihrem Leben negative Erfahrungen sammeln mussten.


Ich brüllte vor wenigen Wochen quer über den Putzplatz zu einer Freundin :

"Sag mal welche Position nimmt Dein Pferd in Deinem Leben ein ?"

Wie aus der Pistole geschossen kam völlig selbstverständlich: "Na meine große Liebe natürlich!"

Besser kann ich´s selbst nicht beschreiben.

Pferde- meine große Liebe, die auf Vertrauen, gegenseitigem Respekt und Verständnis beruht.

Und was geschieht denn nun mit der Frau am   Pferd ?

Aus meinen eigenen Erfahrung kann ich sagen, es kehrt erst einmal Ruhe ein. Der Alltag ist ganz weit weg und ich finde weit leichter zu mir und somit dann auch zum Pferd. Ich bin geerdet, aufmerksam und gut gelaunt. Für mich hat das nichts mit Mutterrolle zu tun- ganz im Gegenteil.

Ich wurde schon so oft von Pferden „belehrt“ das ich oft genug das Gefühl hatte das z.B eher die Stute in der Mutterrolle erzieherisch auf mich wirkte, statt umgekehrt.

Kein Scherz.

Es gibt genug Situationen in denen mir Pferde sehr deutlich zeigten das ich unkonzentriert oder ungeduldig war.

Und ebenso fallen mir viele Momente ein, in denen ich genau spürte das sie mir vertrauen. Wenn sie z.B vom Tierarzt untersucht werden und mit mir an der Seite ruhiger sind.

Und wie oft kam es vor, das ich vom Pferderücken rutschte und das Pferd ganz genau aufpasste mich nicht mit dem Huf zu treffen !

DAS ist Vertrauen – gegenseitig! Und das macht diese Magie einfach mit aus!

"Beim Reiten bin ich ein Teil des Pferdes- fest mit ihm verbunden"

Meine engste Freundin hat die Verbindung zum Pferd in folgende Worte gefasst:

"Beim Reiten bin ich ein Teil des Pferdes, fest mit ihm verbunden. Mein Körper reagiert fließend, ohne das erst nachgedacht wird und ist ein Teil der Bewegung des Pferdes.

Auch vom Boden aus herrscht ein blindes Verständnis. Instinktiv wird die richtige Position z.B beim Führen eingenommen oder korrigiert."

 

In Folge ein paar Auszüge aus den Antworten der Umfrage:



Seid wann reitest Du bzw. beschäftigst Dich mit Pferden und wie kamst Du dazu, was hat Dich getrieben ?

 

Ich kam zum Pferd, weil mich meine Großeltern, die auf dem Land leben, immer auf ein Pferd gesetzt haben, als ich bei ihnen zu Besuch war. Daraus ist dann meine "Pferdeliebe" entstanden und gewachsen.“

 

„ ich bin mit 3 Jahren das erste mal geritten, seither komm ich nicht davon weg. Ich habe auf einer Pferdeshow einen großen Friesenhengst angebunden gesehen, und war sofort da“

 

Was bedeutet Dir die Verbindung zum Pferd, was gibt es Dir und welche Stellung nimmt Dein Pferd in Deinem Leben ein ?

 

Die Verbindung zum Pferd bedeutet mir sehr viel, denn Pferden ist es egal wer du bist/ob du wenig oder viel Geld hast/wie du aussiehst und was andere über dich denken/etc. und ein Pferd schafft es immer, egal wie schlecht es dir geht, ein Lächeln auf dein Gesicht zu zaubern und dich in eine andere Welt zu führen.“

 

„Sie bereichern meinen Geist, sie machen mich ausgeglichen, fröhlich. Für meine Pferde mache ich alles, aber es hat Grenzen.“

 

„Mein Pferd hat heute den selben Stellenwert wie mein Lebensgefährte (na gut eher die Position vor meinem Mann, schließlich kann mein Mann sich auch um sich selbst kümmern, das Pferd ist jedoch auf mich angewiesen)“

 

Konntest Du im Laufe der Zeit auch eine Veränderung an Dir wahrnehmen, bist Du gewachsen ?

 


„Ja, Pferde zeigen dir wie du mit ihnen umgehen sollst und verzeihen aber auch den ein oder anderen Fehler den du aus Unwissenheit gemacht hast.“

 

„ängstliche Situationen gibt es fast nicht mehr. Nicht mal vor der Zukunft, wenn du den Job verloren hast. Wenn du zu deinen Pferden gehst, weißt du, warum und wofür du kämpfen möchtest. Also ja. Definitiv. Und jeden Tag wachse ich wieder, wenn ich neben ihnen stehe. „

 

„Die Veränderung ist, dass ich Pferde nicht mehr als erhabenes Mysterium betrachte, sondern mich auf eine Ebene mit Ihnen stelle.“

 

Wo nimmst Du den Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Reitern und Besitzern wahr ? Was denkst Du, warum in den meisten Ställen oft mehr Frauen anzutreffen

sind ?

 

 

„die Männer sind meist Team-/Sport orientiert. Die Frauen hätscheln viel lieber, sind auch mal NUR im Stall um über IHR Pferd zu fachsimpeln und die Männer sind die, welche etwas tun müssen mit dem Vierbeiner, um sich verbunden zu fühlen.“

 

„Die männlichen Reiter die ich kenne sind zielorientierter. Im Umgang mit dem Pferd kommt es Ihnen meist mehr auf ein bestimmtes Ergebnis (korrekte Übung, Erfolg) an als auf die Bindung, die Beziehung und das "Sein". Frauen sind von Natur aus emotionaler und auf eine Bindung sowie Harmonie bedacht. „

 

Was begeistert Dich noch heute am Umgang mit dem Pferd ?

 

„ Kein Tag mit dem Pferd gleicht einem anderen und jeder Tag ist einzigartig.

Faszinierend ist außerdem, dass 2 Lebewesen mit individuellen Persönlichkeiten und Bedürfnissen ohne einer einheitlichen Sprache doch so miteinander Kommunizieren können, sodass ein Team entsteht und nicht nur der Reiter auf das Pferd, sondern auch das Pferd auf seinen Reiter aufpasst“

 

„es ist jeden Tag etwas anders, du hast ziele welche man gemeinsam erarbeitet, und je mehr Gefühl man reinsteckt, desto mehr kommt zurück. "2 Beine tragen meinen Körper. 4 Beine tragen meine Seele"


„Der Umgang mit dem Pferd bedeutet für mich die Pflege einer Freundschaft. Mich begeistert, dass es ein geben und nehmen ist, und alles was ich tue auch auf mich zurückfällt. Pferde können nicht lügen und helfen mir zu lernen, wie ich bewusst handel und faire Entscheidungen treffe. Letztlich aber ist man, wenn man bei Pferden ist, immer im hier und jetzt - das hat fast schon Therapie-Charakter „

"2 Beine tragen meinen Körper, 4 Beine tragen meine Seele"

Viele verschiedenen Antworten, die sich doch in vielem ähneln und gemeinsame Kerne haben.


Alles in allem ist es wohl die Verbindung die entsteht, welche uns so mit unter an Pferden fasziniert.

Auf gleicher Augenhöhe, Vertrauen und Respekt – Freundschaft.


Soviel zum Thema „Frauen und Pferde“, mal aus der Sicht von Frauen.

Vielleicht lass ich mich in Zukunft mal dazu hinreißen, auch mal in der Männerwelt Informationen einzuholen ;)


Lieben Dank nochmal, an all die Reiterinnen die so lieb waren, mir einen kleinen Einblick in Ihre pferdige Freundschaft zu schenken !

 

Liebe Grüße, 

Jenny

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