Sei authentisch, sei Du !

First : Bevor der Artikel wirklich beginnt, ein kleines Vorwort.

Ich spreche in den folgenden Zeilen vorrangig über eigene Erfahrungen

und Beobachtungen.

Es geht nicht um Techniken, Anleitungen oder Regeln von Trainern oder Ausbildern.

Es kappt, es klappt nicht

In den vergangenen Jahren habe ich aus verschiedenen Perspektiven erleben dürfen das Dinge funktionieren und auch nicht.

Zu Anfang habe auch ich immer wieder von Vorn beginnen, nachfragen und ausprobieren müssen, bis Dinge so funktionierten wie ich es mir ungefähr vorgestellt hatte.


In der Zeit als ich anderen anfing etwas über Pferde bei zu bringen, kam dann oft die Frage : " Wieso geht das bei Dir ? Ich mach es doch genau so !"

Meine Antworten waren immer ähnlich : " Keine Ahnung, das wird schon noch, Du musst halt üben...."

Und ich weiß noch genau, das ich in den ersten Jahren solche Fragen immer und immer wieder stellte.

Irgendwann kam dann der Satz : " ja klar, das Pferd kennt Dich ja auch. Natürlich macht der was Du willst "

Stimmt, dachte ich. Wir arbeiten ja nun schon sehr lang zusammen. Da stellt man sich ja auch irgendwo aufeinander ein.


Während eines Lehrgangs auf einem anderem Hof durften wir mit verschiedenen Pferden arbeiten. Darunter war Ben.


Ben war noch etwas jung und an der Longe recht unerfahren. In der anderen Gruppe galoppierte er ständig an, zerrte an der Longe und war stets unruhig. Die Teilnehmer waren entnervt.


Am Folgetag durfte ich mit ihm arbeiten.

Er war entspannt, aufmerksam und arbeitete interessiert und zufrieden mit.

Was war anders ?

Wie viele es vom Rand des Reitplatzes kennen, wurde natürlich getuschelt.

"Der geht heute nur so ruhig , weil der sich bei uns ja gestern austoben konnte...!"


Aha.....


Eine gute Freundin war mit dabei und belächelte dies amüsiert.


Ich nahm mir den Satz kurz zu Herzen aber sie beruhigte mich, in dem sie mir ihre Sicht der Dinge erzählte.

Ich blickte innerlich zurück und schmunzelte diesen lieben Kerl an, der da seelenruhig am Ende der Longe stand und mich interessiert beobachtete.


Was war anders ?

Meine Gedanken dazu :

Vom ersten Tag wollte ich mit diesem Pferd arbeiten. Ich fand ihn einfach niedlich.

Zu dem wollte ich wissen wie ein junges Pferd das noch unerfahren ist reagiert, wenn ich mit ihm arbeite. Ich wollte daran wachsen und meine Erfahrungen sammeln.

Als ich endlich mit ihm arbeiten durfte , freute ich mich riesig.

Ich befolgte zwar was ich an Regelwerk am Vortag gelernt hatte- aber ich war sehr aufmerksam und beobachtete ihn , wie er wann reagiert. Ich konnte ihn in Momenten beruhigen wo ich sah das er unsicher wurde und loben und motivieren, wenn er dabei war etwas richtig zu tun.

Ähnlich war es bei dem Pferd was ich dann am Prüfungstag hatte.

Ein Friesenwallach, gut ausgebildet und abgeklärt.

Bei der Person vor mir spielte er mit der Longe, kam in die Mitte und machte halt was er wollte,

er spielte.

Er lief bei mir glücklicher Weise sehr ruhig, motiviert und aufmerksam.

Es wirkte für mich fast als würde er mir einen Gefallen tun weil ich unglaublich nervös war.

Ich sehe mich nicht als Trainerin, Ausbilderin oder Pferde-Guru.

Ich habe über die ganzen Jahre einfach meine Erfahrungen gemacht, wie jeder andere auch.


Auch ich geriet immer und immer wieder an Pferde die alles andere machten, als das was ich wollte und fand mich in Situationen wieder, die rückblickend vielleicht nicht ganz ungefährlich waren. Es gab Pferde die ständig durchgingen oder meine Position in Frage stellten.

Und genau an diesen Pferden bin ich gewachsen und habe viel gelernt!


Was steckt dahinter ?

Die Frage warum es bei anderen selbst mit fremden Pferden klappt und es bei manchen auch mit dem eigenen Pferd ab und an schwer sein kann, stellte sich mir noch sehr oft.


Meine Gedanken dazu : 

Während des Lehrgangs oder auch mit den Pferden die ich kenne und auch bei denen die ich besuche, bin ich - Ich !

War ich zu sehr mit mir selbst oder im Kopf zu sehr mit dem Kopieren eines anderen beschäftigt, war ich nicht ich- und ich war demnach auch nicht beim Pferd- denn ich steckte mit meiner Aufmerksamkeit in meinem Kopf.


Sicher befolge ich das was ich gelernt habe, suche immer neue Anreize, lese Lektüre und arbeite und beobachte. Aber ich kopiere nicht mehr steif, ich bin dabei einfach nur noch Ich.

Ich freue mich jedes Mal wie ein kleines Mädchen in der Nähe von Pferden, mache ab und an Unsinn in dem ich ihnen meine Mütze aufsetze oder was mir grad so einfällt. Im Vordergrund steht für mich einfach der Spaß und die Freude am Umgang mit Pferden. Das es ihnen gut geht und auch die Aufgabenstellung,die Arbeit zum Wohle des Pferdes gestaltet wird.

Ich bin authentisch denn ich bin ich selbst. 

Und dies dürfen auch die Pferde bei mir sein.

Es bringt mir nichts wenn da ein Pferd steht und resigniert

einfach nur automatisch folgt.

Es freut mich viel mehr wenn es aus freien Stücken folgt, wenn es interessiert ist und dennoch ist, wer es ist.


Denn zu viel Druck, erzeugt Gegendruck.


Mein Rat

Sei mit all dem was Du lernst, beobachtest und mit dem was Du tust beim Pferd und ganz wichtig : Sei Du selbst !

Dein Pferd erkennt ganz genau ob Du Dich mit dem, was Du da tust wohl fühlst und identifizieren kannst oder ob Du grad jemand anderen kopierst.


Sei flexibel- auch mit den Techniken und Methoden die Du anwendest.

Nicht jedes Pferd reagiert gleich.

Jedes Pferd hat seinen eigenen Charakter. Und wenn Du Dein Pferd intensiv beobachtest und kennen lernst, wirst Du wissen wie Du den Trainingsplan zu seinem Wohle und eurer gemeinsamen Freude gestalten kannst.


Höre nicht immer auf die , die alles besser wissen.

Du willst nicht den Stallmitgliedern gefallen, Du willst mit Deinem Pferd ein Team bilden.Eine Basis des Vertrauens schaffen.

Und Dein Pferd soll sich ja auf Dich einstellen und nicht auf jemand anderen.


Vertraue Deinen Instinkten und Deiner Intuition- Erlaube es Dir ! Dein Pferd tut dies ja auch !


Habe Spaß und Freude mit Deinem Pferd ! 

Schaffe Raum dafür !

Erfreue Dich der Charakterstärke Deines Pferdes und sei stolz auf die Verbindung die Du mit ihm hast!


Du wirst sehen : 

Um so mehr Freude, Vertrauen und Sicherheit Du austrahlst, um so mehr wird Dein Pferd es Dir gleich tun!




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Kommentare: 1
  • #1

    Josi Röhner (Mittwoch, 18 März 2015 18:25)

    Toller Artikel, Jenn. :) Ähnliche Erfahrungen habe ich in letzter Zeit auch gemacht, gerade, weil ich mit dem Clickern angefangen habe und viele Reiter einen mit dieser Arbeitsweise gar nicht ernstnehmen und das alles komisch beäugen... Ich glaube, was du hier berichtest, ist wirklich eine sehr wichtige Voraussetzung, um eine Bindung zu einem Pferd aufzubauen!